Die Auswahl des richtigen Akkus: Teil 1

"Wer billig kauft, kauft oft zweimal"

Was ist der Unterschied zwischen kostengünstig und billig? Diese Frage beschäftigt fast jeden, der etwas neues kaufen möchte. Dabei spielt es fast keine Rolle, wie groß die Anschaffung ist. Der Preis ist fast immer ein wichtiger Faktor im Entscheidungsprozess jedes Einzelnen.

Dieser Entscheidungsprozess ist umso komplizierter, je weniger man sich mit dem Produkt und / oder der Dienstleistung auskennt. Umso schwieriger wird es, wenn es sich dabei um eine kostenintensive Angelegenheit handelt.

Die Internet-Marktplätze sind voll mit verschiedenen Angeboten unterschiedlicher Akkus, und da der Akku neben dem Motor zu den kostenintensiven Komponenten im Pedelec gehört, möchten wir an dieser Stelle etwas mehr Licht ins Dunkel der Kostenstruktur eines Akkus bringen.

  1. Die Akkuzellen – je nach Konfiguration eines Akkus werden die Akkuzellen in Reihe (Erhöhung der Nennspannung) und in Parallel (Erhöhung der Kapazität) geschaltet. Ein 36V Akku hat bspw. 10 Akkuzellen in Reihe. Wenn die Nennkapazität des Akkus 13Ah beträgt und im Akku Zellen mit einer Nennkapazität von 2,6Ah eingebaut werden, so sprechen wir von 5P, also 5 Akkuzellen, jeweils mit 2,6Ah, die parallelgeschaltet werden. Ohne ein Mathematik-Studium absolviert zu haben, kann jeder 10 x 5 = 50 Akkuzellen rechnen, diese sind im Akku verbaut.
    Die Akkuzellen machen ca. 60 - 70% der Gesamtkosten eines Akkus aus. Kommen diese von renommierten Herstellern wie Panasonic (Sanyo), Samsung SDI, LG Chem oder Murata (Sony), so liegt bereits hier der Gesamtpreis für die Akkuzellen oberhalb des Preises einiger dubiöser Anbieter.

  2. Das BMS (Battery Management System) – das BMS ist die Steuerung, so gesehen das Gehirn, eines Akkus. Das BMS sorgt dafür, dass der Akku nicht überladen oder tiefentladen wird. Das BMS steuert, wieviel Strom der Akku weiter an den Controller leiten kann, aber auch mit wieviel Ladestrom der Akku vom Ladegerät versorgt wird. Ferner sorgt das BMS, wie ein Dirigent in einem Orchester, ebenfalls dafür, dass sich alle eingebauten Akkuzellen in einer ähnlichen Spannungslage befinden.
    Ein Smart BMS ist eine weitere Entwicklung der Steuerung-Komponente.  Vom Smart BMS sprechen wir, wenn dieses programmierbar ist und weitere Funktionen wie Kommunikation und weitere Überwachungen gewährleisten kann. Ein Smart BMS ist in der Regel genauer und kostenintensiver als ein sog. Standard-BMS.

  3. Gehäuse, Case und ähnliches – viele Akkus werden in Gehäusen eingebaut. Das können spezielle Gehäuse für Pedelecs sein, die am Rahmen, Gepäckträger etc. montiert werden können.

  4. Verschweiß-Material – um die Akkuzellen miteinander in Reihe und Parallel zu verbinden, wird häufig Nickel verwendet. Je reiner der Nickel ist, desto haltbarer und leitungsfähiger ist dieses Material. Um Kosten zu sparen (Nickel ist ziemlich teuer), werden häufig kostengünstigere Nickel-Legierungen verwendet. HILUMIN® ist ein Beispiel für eine Nickelbeschichtung auf Stahl. Der Preis für dieses Material ist wesentlich günstiger im Vergleich zu Reinnickel.

  5. Arbeit – je nachdem wo der Akku gefertigt wird, fallen unterschiedliche Arbeitskosten in den Preis des Akkus. Eine Fertigung in Deutschland ist bspw. wesentlich teurer als in bspw. China.

Eine sehr häufig, nicht ausreichend thematisierte Materie (unserer Meinung nach), ist das Verhältnis zwischen dem Preis und der Lebensdauer. Akkus sind wieder aufladbar, und daher muss der Preis des Akkus über seine Gesamtlebensdauer berechnet werden. In der Praxis kalkuliert man den Preis in Wh (Wattstunden). Wh ist die gespeicherte Energiemenge im Akku (Kapazität x Spannung). Man teilt also den Gesamtpreis in die Gesamtenergiemenge, um zu wissen, wieviel eine Wattstunde kostet.

Berechnungsbeispiel:

  • Ein Akku 36V mit 10Ah hat 360Wh und kostet 200€. Der Preis pro Wh beträgt also 200€ / 360Wh = 0,55€ pro Wh.
  • Ein anderer Akku 36V mit 20Ah hat 720Wh und kostet 350€. Der Preis pro Wh beträgt also 350€ / 720Wh = 0,48€ pro Wh.

Welcher Akku ist also kostengünstiger?

Nun versuchen wir es etwas komplexer zu machen….angenommen Sie haben einen Akku 36V 10Ah aus China für 150€, und der Akku ist nach einem Jahr nicht mehr zu gebrauchen. Ein vergleichbarer Akku 36V 10Ah kostet bspw. 300€ und hält 3 Jahre.

Für welchen Akku haben Sie mehr bezahlt?

Schnäppchen bei Akkus gibt es aus unserer langjährigen Erfahrung ganz selten. Wer mit Markenakkuzellen fertigt, bezahlt für die Akkuzellen in Deutschland, U.S.A und China fast dieselben Preise. Da der Preis von den Akkuzellen im Akku der überwiegende Kostenfaktor ist, kann auch die kostengünstigere Fertigung in Asien keine Rechtfertigung für gravierende Preisunterschiede sein. Hier ist Vorsicht das beste Gebot!

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